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Ende des gemeinsamen Lehramtes

Mit einem gemeinsamen Entschließungsantrag („Praxisnahe und schulformbezogene Lehramtsausbildung“) wollen die Landtagsfraktionen von CDU und FDP die Landesregierung u.a. auf eine Abschaffung des erst vor einigen Jahren geschaffenen Lehramtes an Grund-, Haupt- und Realschulen festlegen.

Die Landesregierung wird darin gebeten sicherzustellen, dass an den lehramtsausbildenden Hochschulen „der erforderliche Schulformbezug durchgängig realisiert wird“ (Landtagsdrucksache 15/1621). Für ein gegliedertes Schulwesen brauche man eine „passgenaue“ Lehrerausbildung und nicht den „Einheitslehrer pur“, sagte der FDP-Abgeordnete Prof. Dr. Dr. Roland Zielke anlässlich der ersten Beratung der Entschließung im Landtag. Zur Begründung verwendete der Abgeordnete die Argumente, die schon immer für die Notwendigkeit eines dreigegliederten Schulwesens herhalten mussten. Gymnasiallehrer müssten auf wissenschaftliches Arbeiten vorbereiten und auch fachlich vertieft unterrichten können, Realschullehrer hätten die Brücke zwischen intellektueller Förderung und Praxisbezug zu schlagen und Aufgabe der Hauptschullehrer sei es, auf die Ausbildungsfähigkeit ihrer Schülerinnen und Schüler hinzuarbeiten.

Dreierlei Menschen braucht die Maschine. Den, der sie bedient und in Gang hält,
den, der sie repariert und verbessert, schließlich den, der sie erfindet und konstruiert.
Hieraus ergibt sich: die richtige Ordnung der modernen Arbeitswelt gliedert sich in
drei Hauptschichten: ...
„Realer Humanismus“ (Weinstock 1955)

Vor der Aufgabe der gemeinsamen Lehrerausbildung warnte der Abgeordnete Wolfgang Wulf (SPD). Eine schulformbezogene Ausbildung sei vor dem Hintergrund zurückgehender Schülerzahlen und der damit drohenden Ausdünnung der Schullandschaft „völlig kontraproduktiv“. Er forderte die Regierungsfraktionen zu pragmatischem Verhalten auf: Solche „flexiblen“ Lehrkräfte würden gebraucht, wenn es an einigen Orten wegen zurückgehender Schülerzahlen keine eigenständigen Schulformen mehr geben sollte.

In die neue Laufbahn des Lehramtes an Grund-, Haupt- und Realschulen waren nach dessen Verankerung in der Verordnung über die Ersten Staatsprüfungen für Lehrämter (PVO-Lehr I) im November 2002 alle Lehrkräfte mit dem Lehramt an Grund- und Hauptschulen übergeleitet worden. Gleichermaßen besitzen die Realschullehrerinnen und Realschullehrer die Befähigung für das Lehramt an Grund-, Haupt- und Realschulen.

D.G.