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Ablehnung des Projektes „ Senkung der Drop out Quote“

Antrag der Fachgruppendelegiertenkonferenz der FG Grund- und Hauptschulen am 16. und 17. November 2006 an den Landesvorstand, bzw. Geschäftsführenden Vorstand

Die Fachgruppe Grund- und Hauptschulen der GEW Niedersachsen begrüßt ausdrücklich jede Entlastung bei den schwierigen Arbeitsbedingungen der Kolleginnen und Kollegen in den Hauptschulen als ersten Schritt in die richtige Richtung.

Sie lehnt jedoch den Modellversuch des Projektes: „ Abschlussquote erhöhen, Berufsfähigkeit steigern. Senkung der Drop out Quote. Berufsorientierung, Berufsvorbereitung und Übergangsbegleitung in Abschlussklassen der Hauptschulen und Förderschulen in Niedersachsen“ entschieden ab. Sie fordert eine frühere und intensive Förderung leistungsschwacher und abschlussgefährdeter Schülerinnen und Schüler statt einer weiteren Isolierung dieser Jugendlichen in den achten und neunten Klassen. Dazu bedarf es vielfältiger Hilfen. Die Fachgruppe fordert stattdessen eine spürbare Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Hauptschullehrkräfte sowie eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit fest angestellten Sozialpädagoginnen und -pädagogen mit tarifierten Verträgen.

Der Kultusminister wird aufgefordert, mehr Geld für Bildung in Niedersachsen zur allgemeinen Qualifizierung niedersächsischer Kinder zu aktivieren.
Die BA möge ihre Gelder im eigenen Bereich einsetzen und nicht die Bildungsaufgaben der Länder übernehmen.

Begründung:

Das Projekt soll am 1.2.2007 beginnen und ist für die Dauer von zwei bzw. 1,5 Jahren geplant. Träger des Schulversuches sind die Bundesagentur für Arbeit, die Niedersächsische Staatskanzlei und das Niedersächsische Kultusministerium. Ziel ist der Schulabschluss und/oder der berufliche Einstieg für abschlussgefährdete Schülerinnen und Schüler. Jede zu bildende Gruppe besteht aus ca. 20 Schülerinnen und Schülern und wird von einem externen Bildungsbegleiter betreut, zusätzlich wird jeder Gruppe ein Drittel einer sozialpädagogischen Fachkraft zur Verfügung gestellt. Bestandteile des Projektes sind ein fünftägiges „Assessmentverfahren“, Berufsorientierung in Berufsfeldern, ein Kompetenzzertifikat unter Beteiligung der Kammern, sowie ein professionelles von außen begleitetes Bewerbungstraining. Da im Frühjahr 2008 Landtagswahlen stattfinden, besteht der stark begründete Verdacht, dass es sich bei diesem Schulversuch nicht um eine auf Nachhaltigkeit angelegte Maßnahme für die Jugendlichen, sondern um eine politisch begründete Wahlkampfaktion handelt. Die Finanzmittel in Höhe von ca. 3 Mill. € werden von der Bundesagentur für Arbeit gestellt. Die Bedingungen des Schulversuches inklusive des engen Zeitrahmens werden ebenfalls von der BA festgelegt und den Schulen als unveränderlich vermittelt. Der ungeklärte Verwaltungsakt der Auswahl der betroffenen Jugendlichen – der einer Stigmatisierung gleichkommt- obliegt den einzelnen Schulen und dem Assessmentverfahren. Allein der Begriff des „ Drop out“ ist eine negativ besetzte Diskriminierung. Die Gruppengröße von ca. 20 Schülerinnen und Schülern übersteigt häufig die Klassengröße aus den abgebenden Klassen. „ Die abschlussgefährdeten Schülerinnen und Schüler werden durch die Lehrkräfte benannt und in eine eigene Betreuungsstruktur überführt“, heißt es dazu lapidar in einer Information des Kultusministeriums. Das Projekt soll an 15 bis 25 Standorten Niedersachsens durchgeführt werden. Um eine Gruppengröße von 20 zu erreichen, müssen Schülerinnen und Schüler gegebenenfalls aus verschiedenen Schulen zusammengefasst werden. Dabei müssen sie teilweise aus den Schulen herausgenommen werden, um in eine „eigene Betreuungsstruktur an einem eigenen Standort“ geschickt zu werden.
Da die Bedingungen dieses Schulversuches sich nur nach den Finanzierungsmodalitäten der Bundesagentur für Arbeit und nicht an den Bedürfnissen der betroffenen Jugendlichen orientieren, kritisiert die FG insbesondere folgende Einzelpunkte:

Durch diesen Modellversuch mit Fremdfinanzierung in Wahlkampfzeiten bescheinigt das Kultusministerium seiner eigenen Hauptschularbeit Unzulänglichkeit.